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NWZ vom 18.11.2019: Göppinger Kammerchor singt Requiem von Fauré

Von Lilli Ell

Foto: Stauferpress

Der Göppinger Kammerchor unter der Leitung von Fabian Wöhrle führt das "Requiem" von Gabriel Fauré auf. Für Wöhrle ist es sein Abschiedskonzert.

Der Göppinger Kammerchor unter der Leitung von Fabian Wöhrle sang am Wochenende das "Requiem" von Gabriel Fauré, eingerahmt von Motetten alter Meister. Für Wöhrle, der 2014 die Leitung des Chores übernommen hatte, war es sein Abschiedskonzert. Wöhrle führte das Werk mit Georg Oberauer an der Orgel auf, Olga Wegener sang die Sopran- und Sascha Kecskes die Baritonpartien. Im Mittelpunkt stand das "Requiem" von Gabriel Fauré, sein einziges größeres Werk mit einem religiösen Text als Grundlage. Unter den französischen Komponisten ist er in Deutschland eher weniger bekannt geblieben. Musikgeschichtlich ist er von Liszt und Brahms bis hin zur atonalen Epoche um Schönberg anzusiedeln.

Faurés "Requiem" ist anders als die Vertonungen seiner Zeitgenossen. Er hat nicht den gesamten Text der Totenmesse vertont. Er verzichtet auf das "Dies Irae", das himmlische Strafgericht und die Androhung der Höllenqualen. Sein Bild vom Jenseits ist eine friedvolle und schöne Vision. Er wollte ein liebevolles Requiem schreiben, "es ist so sanftmütig wie ich selbst", sagte er einmal. Das Werk ist eher ein kammermusikalisches, die Dynamik gezügelt, die Klangfarben gedämpft, es ist feinfühlig empfundene Musik. Genauso setzte Fabian Wöhrle dieses Werk in musikalische Szene, der Chor sang kraftvoll und zart zugleich, mit klaren, reinen Schlusstönen.

Die Sopran- und Baritonsoli passten sich organisch in die Chorpartien ein. Olga Wegener sang mit zartem Schmelz und sicher in der Höhe. Im "In Paradisum" zeigte sich ein schöner Wechsel von Frauenchor, der fast sphärisch erklang, die Tutti dann aber doch vollmundig, mit reicher Dynamik und abwechslungsreich gestaltet.

Besonders stimmungsvoll war das leise Verklingen am Ende des Werkes. Man spürte die Einheit von Chor und Dirigent, die Fähigkeit, den harmonischen Schwebezustand zwischen Dur und Moll durchzuhalten bis zum Schluss.

Andrew Lloyd Webber, Musical-Komponist, und auch Filmkomponist Philip Glass ließen sich von Fauré zu ähnlichen Werken inspirieren. Der Kammerchor präsentierte das Werk mit zarter Klanglichkeit, sehr elegant, mit zuversichtlichem Charakter und mit feinsinnigem Duktus die Vorstellung des Komponisten unterstreichend. Wöhrle dirigierte fantasievoll und engagiert, dem Chor die nötige Sicherheit gebend.

Eingebettet war das Requiem unter anderem in Motetten von Johann Christoph Bach und ¬Johann Hermann Schein. Ein gelungener, intelligenter Kontrast zum Werk von Fauré. Am Ende gab es viel herzlichen Beifall für ein gelungenes und etwas anderes Abschiedskonzert.

Scheidender Chorleiter Fabian Wöhrle

Fabian Wöhrle, der scheidende Chorleiter des Göppinger Kammerchores, ist seit 2014 an der Stadtkirche in Ludwigsburg als Kirchenmusiker tätig. Zeitgleich hat er den Göppinger Kammerchor übernommen. 1981 in Sindelfingen geboren und in Heidenheim aufgewachsen, leitete er 1999 seinen ersten Kirchenchor in Söhnstetten. Er studierte Kirchenmusik an der Musikhochschule Stuttgart sowie Orchesterleitung in Weimar. 2010 wurde er Assistent des Chor¬direktors und Solorepetitor am Deutschen Nationaltheater Weimar.

Quelle: NWZ - Lilli Ell - 20.12.2016

 
Letzte Aktualisierung am 24.12.2019 GK