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NWZ vom 12.12.2017: Klangschöner Gesang

Von Annerose Fischer-Bucher

Foto: Staufenpress

Zwei sich ergänzende Vertonungen der Weihnachtsgeschichte hatte sich der Göppinger Kammerchor mit seinem Leiter Fabian Wöhrle beim diesjährigen Weihnachtskonzert ausgesucht. Das Verbindende der Kompositionen von Rogier Michael und Siegfried Reda, die 350 Jahre auseinanderliegen, war die jeweilige Anlage mit einem solistisch rezitierenden und teilweise textausdeutenden Evangelisten, der im "Evangelienton" die Weihnachtsgeschichte musikalisch erzählte.

Der 31-jährige Tenor Andreas Großberger, der bei Carmen Mammoser in Stuttgart studiert hat, löste diese Aufgabe bravourös. Mit einer schlanken, hellen und doch viele Resonanzräume umfassenden Stimme trug er die Texte in deutlicher Aussprache vor und übergab am Ende quasi die nun folgenden gedachten Anschlusstöne an den Chor. Diesen zeichnete eine Klangschönheit aus und eine angenehme Ausgewogenheit der Stimmen, die in unterschiedlichen Tonlagen sowohl beim Eingang und beim Beschluss als auch bei der Rolle des Engels, von Maria und von Elisabeth ausgeführt wurden. Kein leichtes Unterfangen für den Chor bei der etwas spröden Komposition des franko-flämischen Rogier Michael der späten Renaissance, der als Vorgänger von Heinrich Schütz am Dresdner Hof wirkte.

Die Komplementär-Geschichte dazu lieferte Siegfried Redas Vertonung von 1949. Auch der Erneuerer der evangelischen Kirchenmusik und Distler-Schüler. bezog sich auf den Evangelienton, den er "besonders variiert" habe, während die Chorsätze aus der melodischen Substanz des Evangelientons von ihm frei erfunden und für die Verwendung im Gottesdienst gedacht seien.

Als kluger Schachzug entpuppte sich das Einschieben jeweils vom Text her passender Stücke wie Hugo Distlers "Maria durch ein Dornwald ging" oder des "Magnificat" von Jürgen Essl, einem zeitgenössischen Stuttgarter Komponisten, bei dem Olga Wegener den solistischen Chorsopran sang. Ebenso passend wie abwechslungsreich ergänzten variierte Choralsätze und freie Kompositionen von Bach oder Buxtehude an der Orgel die jeweiligen Weihnachtsgeschichten.

Dekanatsmusiker Martin Böhm aus St. Maria hatte an der Orgel für diese Bereicherungen gesorgt und vor dem klangschön gesungenen "Hodie Christus natus est" des Niederländers Jan Peterszon Sweelinck aus dem Frühbarock eine moderne Toccata des Briten Percy Whitlock (1903 - 1946) gespielt. Mit Quartklängen und Quartverschiebungen wie bei Distler und seiner stilistischen Nähe zu Reda brachte dieser zur Zeit wiederentdeckte Komponist eine ganz neue Farbe ins Konzert. Böhm erwies sich wieder einmal als Meister auf seinem Instrument, der kein Risiko scheute bei den flirrend schnellen ostinaten Motiven mit freien Themen im Pedal und in verwobenen Manualmelodien, bei denen man die französische Orgelschule heraushören konnte.

Am Ende gab es zwei Zugaben: "Es ist ein Ros' entsprungen" und "In dulci jubilo" zeigten berührend die hohe Kunst des A-Cappella-Gesangs des Kammerchors.

Quelle: NWZ - Annerose Fischer-Bucher - 12.12.2017

NWZ vom 16.05.2017: Ernsthaftigkeit gepaart mit Heiterkeit: Kammerchor musiziert

Von Lilli Ell



Der Kammerchor Göppingen präsentierte dem begeisterten Publikum am Sonntag, 14. Mai 2017 Rossinis "Petite Messe solennelle".

Das Sommernachtskonzert gab es dieses Mal schon im Frühling: Der Göppinger Kammerchor brachte am Sonntag in der Oberhofenkirche Rossinis "Petite Messe Solennelle" zu Gehör.

Das Sommernachtskonzert des Göppinger Kammerchores fand in diesem Jahr im Frühling statt. Der Kammerchor unter seinem Dirigenten Fabian Wöhrle präsentierte die bei uns kaum gehörte "Petite Messe solennelle" von Gioachino Rossini in der Oberhofenkirche in Göppingen. Mit dabei waren vier Gesangssolisten sowie Klavier und Harmonium.

Die "Petite Messe solennelle" ist ein Alterswerk Rossinis. Er komponierte die Messe in der Nähe von Paris, wo sie auch in kleinerem, privatem Rahmen uraufgeführt wurde. Er selber nennt sie "eine ärmliche, kleine Messe", ja sogar "eine Todsünde". Auch spricht er davon, dass seine Kirchenmusik nichts für die Deutschen ist, da sie immer nur teils ernst, aber eben auch immer teils heiter daherkommt, wie eben auch seine Opernkompositionen. Von einem Komponisten, der mit dem "Barbier von Sevilla" berühmt geworden ist, erwartet man eher keine getragene, ernste Kirchenmusik. Auch ist es keine kleine Messe, immerhin ist die Aufführungsdauer ungefähr 90 Minuten. Diese Messe verwunderte ihre Zuhörer schon damals.

Ernstes Stück mit Leichtigkeit

Rossini schenkte der Welt diese zwar sehr ernst gemeinte Musik, in der man aber auch die südländische Leichtigkeit und Lebensfreude sowie volksliedhafte Elemente erkennen kann. Er nimmt als Begleitung das Klavier und setzt das Harmonium dazu, das zwar nicht durchgehend, sondern nur ganz gezielt immer wieder einzelne Sequenzen begleitet und so einen ganz besonderen Reiz der Tongebung erreicht.

Thomas Schäfer setzte mit seinem Spiel lebendige Akzente. Fabian Wöhrle dirigierte sehr engagiert und begleitete die Sängerinnen und Sänger sowie die Solisten sicher und forsch durch das Werk. Der Männerchor bot eine überaus präsente Leistung, seine Verstärkung tat dem Chor rundum gut und ermöglichte ein sehr ausgewogenes Klangbild. Der Chor reagierte konzentriert und beweglich, besonders zu Beginn fiel das zarte, lyrische "Kyrie" auf, worauf das "Gloria" jubelnd in das Kirchenschiff hinausgesungen wurde und im "Cum sancto spiritu" ein dynamisch reicher Höhepunkt erreicht wurde. Zu diesem ausgewogenen, eleganten Chorklang setzten die Solisten einen farbintensiven Kontrast: Miriam Burkhardt mit ihrer geschmeidigen, lyrischen Sopranstimme, die auch die Höhen mühelos meisterte, Seda Amir-Karayan, Alt, vermochte besonders im abschließenden "Agnus Dei" mit kraftvoller und auch samtiger Stimme, dramatisch in der Aussage und doch zugleich mit religiöser Innigkeit zu begeistern. Ilja Werger, Tenor, und Kai Preußker, Bass, verleugneten ihre Nähe zur Oper nicht und erinnerten mit ihren Partien an die anderen Werke Rossinis. Das ganze Werk wurde am Klavier begleitet von Ulrike Gottlebe-Ebert, die mit ihrem Spiel, auch in ihren solistischen Parts, Sänger und Solisten befeuerte und rhythmusstark und strukturierend, aber auch klar und geradlinig dem Werk einen besonderen Glanz verlieh. Und immer wieder gab der Klang des Harmoniums eine besondere, eigens gestaltete Atmosphäre, die Tiefe und vielfältige Nuancen ins Spiel brachte.

Rossinis Kirchenmusik entstammt einer anderen, einer leichteren, sinnlicheren, aber in keinem Gegensatz zur ernsteren Musik stehenden Tradition. Seine Ernsthaftigkeit war eben diese Leichtigkeit und Heiterkeit, die der Dirigent in der Aufführung mit dem Kammerchor und den Solisten deutlich zum Ausdruck brachte. Die Zuhörer empfanden das genauso. Sie waren einige Augenblicke ganz still, bevor sie herzlichen Beifall für eine gelungene Aufführung spendeten.

Quelle: NWZ - Lilli Ell - 16.05.2017

 
Letzte Aktualisierung am 16.12.2017 GK