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Passionskonzert am Palmsamstag, 13. April 2019

Die Johannespassion (BWV 245) ist neben der Matthäuspassion (BWV 244) die einzige vollständig erhaltene authentische Passion von Johann Sebastian Bach. Sie zählt zu den Hauptwerken protestantischer Kirchenmusik und wurde am Karfreitag 1724 in der Leipziger Nikolaikirche uraufgeführt. Auch nach fast 300 Jahren zieht dieses Werk die Zuhörer immer noch in seinen Bann. Der Bibeltext ist wortgetreu vertont, das Passionsgeschehen wird durch die Rezitative des Evangelisten geschildert. Für diesen sehr anspruchsvollen Gesangspart konnte der junge, aus Göppingen stammende Tenor Johannes Mayer gewonnen werden. Es wurden aber zusätzlich Choräle, Arien und auch Instrumentalsätze aufgenommen. Die an der Handlung beteiligte Menschenmenge wird durch virtuose Turba-Chöre dargestellt. Dramatisch-zupackend und äußerst lebendig wird die Johannespassion auch durch kühne harmonische Wendungen und oft eingesetzte Chromatik. Dabei ist die barocke musikalische Pracht immer bestimmend. Der Choral "Durch dein Gefängnis, Gottes Sohn, muss uns die Freiheit kommen" markiert die Mitte der kompakt angelegten Passion.

Für die Solopartien konnten weitere namhafte Gesangssolisten gewonnen werden: Johanna Zimmer (Sopranistin bei den Neuen Vokalsolisten Stuttgart), Sabine Czinczel (Altistin im SWR-Vokalensemble), Florian Götz (Bariton) und Sebastian Auer (Bass), der die Jesus-Partie singt. In kammermusikalischer Besetzung musiziert das Ensemble flessibile auf Originalklanginstrumenten. Die Leitung hat Fabian Wöhrle.

Karten gibt es ab Mitte März bei ipunkt im Rathaus, der Baronner’schen Apotheke in Bad Boll und bei Chormitgliedern.

Wir danken für die freundliche Unterstützung:

NWZ vom 11.12.2018:Konzerte Göppinger Kammerchor mit gelungenem Experiment

Von Ulrich Kernen

Foto: Stauferpress

Weihnachtsmusik von Camille Saint-Saëns, César Franck und Charles Gounod spielte der Göppinger Kammerchor bei seinem Konzert in der Oberhofenkirche

Weihnachtsmusik französischer Komponisten war im Konzert des Göppinger Kammerchors (Leitung Fabian Wöhrle) in der Oberhofenkirche angesagt, also nicht: "Jauchzet frohlocket" – mit Pauken und Trompeten, wie man es hierzulande im Dezember unweigerlich im Ohr hat.

Im intimen Zusammenspiel von Chor, den Streicherinnen des Ensembles flessibile, den fünf Solisten (Sandra Bildmann, Sopran; Pauline Stöhr, Mezzosopran; Zografia Madesi, Alt; Hubert Mayer, Tenor; Simon Amend, Bass), einer Harfe (Eva Bredl) und einem Harmonium erklang das "Oratorio de Noël" von Camille Saint-Saëns. Dieses etwa halbstündige Werk reicht für ein Konzert allein nicht aus; deshalb traten außerdem Werke von Charles Gounod und César Franck hinzu.

Nach einem ersten Blick ins Programmheft war man doch etwas irritiert: Fabian Wöhrle wagte es, das Oratorio einige Male zu unterbrechen, um die anderen Werke einzuschieben. Das setzte voraus, dass Saint-Saëns' Werk nicht so homogen ist, dass eine Unterbrechung (zer)störend wäre. Ferner mussten geeignete Stücke gefunden werden, die in die entstandenen Lücken hinpassten. Ein Könner wie Wöhrle weiß, was er tut: Denn beides traf zu. Das Experiment gelang.

Die Eröffnungsstücke von Saint-Saëns' Oratorio steckten gleich mal den musikalischen Horizont ab: Man erlebte eine zart intonierte Pastorale des "Ensembles fessibile", weich und kantabel musizierende Solisten und eine klangliche Überraschung: ein Harmonium! Das "Wiederhören" mit diesem eigentlich so gut wie ausgestorbenen musikalischen Fossil lohnte sich. Anklänge an seine kleineren Geschwister, nämlich das Akkordeon und die Mundharmonika, wurden deutlich. Im Vergleich zu seiner Konkurrentin, der Orgel, war der Klang durchweg weicher und der menschlichen Stimme näher: ein Gewinn! Die erfahrenen Sängerinnen und Sänger des Chores ließen am Ende des ersten Teils einmal kurz ein Forte aufleuchten, um Würze in das zarte Wiegen zu bringen. Als pastorale Fortsetzung und Deutung des Auftakts war dann Charles Gounods "Béthléem" anzusehen, in dem das Harmonium in einigen Zwischenspielen ausgiebig die Atmosphäre ausmalte.

Den Höhepunkt des Konzerts bildete danach das berühmte "Benedictus", in dem der Bariton (Simon Amend) und die Sopranistin (Sandra Bildmann) in wundervollem Zusammenspiel mit der Harfe (Eva Bredl) edelste Klänge zauberten. Als Gegengewicht dazu war der leidenschaftliche Ausbruch des Chors und des Orchesters anzusehen.

In zahlreicher Gestalt durchzog der Jubelruf "Halleluja!" das Chorwerk "Dextera Domini" von César Franck und schließlich den letzten Teil des oratorio. Die Solisten konnten hier ihre Qualität als Einzelsänger und als Ensemblemitglieder in wechselnder Besetzung unter Beweis stellen, wobei Hubert Mayer als der erfahrenste Kollege die Führung übernahm. Die nun folgende Steigerung bis zum Schluss hin war, der Gesamtkonzeption folgend, intensiv und zugleich innig bewegt. Fazit: eine runde Sache – ein gelungenes Experiment!

Quelle: NWZ - Ulrich Kernen - 11.12.2018

NWZ vom 27.06.2018: Sommernachtskonzert mit Liedern zur Liebe

Von Ulrich Kernen

Foto: Stauferpress

Die Mitglieder des Kammerchors boten ein Gesamtkunstwerk, in dem die Sinne angeregt wurde.

Hinter der Ankündigung des Göppinger Kammerchors unter der Leitung von Fabian Wöhrle "Das Hohelied der Liebe in Wort und Klang" verbarg sich kein gewöhnliches Konzert. Jenseits von jeglichem Kitsch und Klischee, fern von allem Schrillen, Deftigen und Vulgären, mit dem man sich beim Thema Liebe heute mehr und mehr abgefunden hat, spürten alle Mitwirkenden in der Göppinger Oberhofenkirche feinste Aspekte auf.

In diesem "Sommernachtskonzert" wurde das Geheimnisvolle, das Faszinierende lebendig. Da wurde nicht einfach ein Stück ans andere gereiht, sondern alles griff, dem Text des biblischen "Hohenliedes" folgend, ineinander. Schon die Sprecherin Sybille Schmid trug den Text Salomos emotional bewegt vor. Die Saxophonistin Anne Siebrasse verband in zahlreichen Zwischenspielen zart fantasierend die gesanglichen Beiträge: Nachklingen und Hinführen – ohne Worte!

Die Sopranistin Fanie Antonelou pendelte zwischen Werken des Barock und des 20. Jahrhunderts. In Arien von Monteverdi und Casati steigerte sie die emotionale Spannung durch ausladende Koloraturen und Triller. Grenzen des Gewohnten überschritt sie mit kraftvollen, natürlichen Jauchzern in "Désir" von Georges Aperghis. In "Kiss my lips, Misses" von Pascal Dusapin kommunizierte sie mittels Tontechnik sogar mit sich selbst, erotische Geräusche nachahmend.

Ein weiterer Mosaikstein war dazwischen die witzige, provozierende, ernste und herrlich spleenige Rezitation des berühmten Dadaisten Kurt Schwitter "An Anna Blume": dieses Sprachspiel in der Nähe zum Kabarett beleuchtete das Thema Liebe von einer völlig unerwarteten Seite her. Und in dieses Feuerwerk hinein platzierte Frank Wöhrle fünf Chorwerke: zwei psalmodierende Stücke von Yahezkel Braun, die in kollektives Lachen mündeten; drei zarte Motetten von Ivan Moody, in denen Liebe mit Klängen und Düften des Frühlings verbunden wurden.

Im Sechsachteltakt wiegte sich der Chor dann genussvoll in "Ich hab mich verliebt!" von Paul Ben-Haim, das in einem schmerz- und lustvollen Schrei gipfelte. Auch Leonhard Lechners Motetten gingen ein ums andere Mal ins Tänzerische über und in Edvard Griegs "Wie bist du schön" spürte man das Herzklopfen der Verliebten.

So fügte sich alles zu einem Gesamtkunstwerk, in dem die Sinne angeregt wurden. Da war es nur folgerichtig, dass man sich dann noch vor der Kirche zu einem genussvollen Ausklang traf.

Quelle: NWZ - Ulrich Kernen - 27.06.2018

 
Letzte Aktualisierung am 10.02.2019 GK