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NWZ vom 20.12.2016: Kammerchor wagt Alternative

Von Ulrich Kernen

Foto: Stauferpress

Der Göppinger Kammerchor erfreute sein Publikum in der Oberhofenkirche mit der Weihnachtsgeschichte in frühbarocken Klängen.

Die Weihnachtsgeschichte in frühbarocken Kantaten - dieses Experiment wagte der Göppinger Kammerchor unter der Leitung von Fabian Wöhrle in der Oberhofenkirche. Die dafür ausgewählten Kantaten beleuchteten einzelne Stationen der Geschichte. Da die Werke jedoch alle derselben Epoche entstammten, blieb es nicht aus, dass sich Klangkolorit und Formensprache wiederholten, zumal die Komponisten, zum Teil sogar verwandtschaftlich untereinander verbunden, allesamt der sogenannten Norddeutschen Orgelschule angehörten, deren Zentren Hamburg und Lübeck waren.

In der hochgespannten Sprache des Barock eröffnete die Kantate "Kommst du, kommst du, Licht der Heiden?" von Dietrich Buxtehude das Konzert. Hier setzten Solisten (Eva Kleinheins, Xenia Preisenberger, Sopran; Markus Sontheimer, Altus, Jonathan Holzwarth, Tenor und Sebastian Auer, Bass), der Chor und das "Ensemble "il capriccio" interpretatorische Marken, die dann konsequent das ganze Konzert bestimmten.

Das Instrumentalensemble war hervorragend aufeinander eingestellt und bevorzugte weichen, leichten und beseelten Klang. Das kam dem Kammerchor entgegen, der nirgends in ein großes Forte ausbrach, sondern immer die musikalische Umsetzung des Textes einfühlsam in den Fokus rückte. Da entstand viel Raum für sehr hörenswerte Details.

Fabian Wöhrle achtete überdies darauf, dass sich der Duktus des Textes im Tempo widerspiegelte, wie zu Anfang die Sehnsucht nach dem Vereintsein mit dem Erlöser. Das setzte sich im Folgenden fort: Den Dialog zwischen Engel (Tenor) und Maria (Sopran: Eva Kleinheins) von Matthias Weckmann zeichnete Klarheit und Gefasstheit der Melodieführung aus; dies verwandelte sich im "Alleluja" in fröhliches Gelächter.

Im anschließenden "Magnificat" von Buxtehude achteten die Begleiterinnen hier wie überall präzise darauf, sich zurückzuhalten und dennoch ein musika¬lisches Wörtchen mitzureden. Das schaffen nur solche Könnerinnen! Das Solistenensemble fand sofort zu einem harmonischen Ganzen zusammen. Im "Hosianna" von Franz Tunder wagte der Chor, die Freude in übermütige Sprünge umzusetzen, und in der Choralkantate "Nun komm der Heiden Heiland" von Georg Böhm steigerte sich die Freude zum ersten Mal in ein echtes Forte. Im Kontrast dazu mündete das Staunen über das unbegreifliche Wunder der Geburt Christi in den sonoren Bassklang der Theorbe - das war etwas ganz Besonderes.

Der Gang durch die Weihnachtsgeschichte endete in der Kantate "Das neugeborne Kindelein" von Buxtehude. Fabian Wöhrle gelang es, dem übersprudelnden Jubel Ausdruck zu verleihen, ohne in Pathos oder Monumentalität zu verfallen. Die Bitte um Bewahrung schlug zum Abschluss die Verbindung von der Weihnachtsgeschichte zur Wirklichkeit der später Geborenen. Fazit: Das Experiment ist gelungen, auch wenn das Ganze nicht aus einem Guss sein konnte und Dubletten unvermeidlich waren.

Quelle: NWZ - Ulrich Kernen - 20.12.2016

 
Letzte Aktualisierung am 24.12.2016 GK