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Romantische Weihnachtsmusik aus Frankreich

Von Gisela Sonnabend


Der Göppinger Kammerchor beteiligt sich wie schon seit vielen Jahren an der Aktion "Gute Taten" der NWZ Göppingen. In diesem Weihnachtskonzert bringt der Chor romantische Werke französischer Komponisten zur Aufführung, die den Zuhörer mitnehmen in eine ganz eigene Klangwelt. Sphärisch, schwebend, überirdisch leicht und überaus berührend wird diese Musik empfunden. Aufführungen finden statt am Samstag, 8. Dezember 2018 um 18 Uhr in der Oberhofenkirche Göppingen, und am 9. Dezember 2018 ebenfalls um 18 Uhr in der kath. Kirche St. Thilo in Heiningen.

Der Göppinger Kammerchor musiziert wieder einmal mit jungen Gesangssolisten: Sandra Bildmann (Sopran), Pauline Stöhr (Mezzosopran), Zografia Madesi (Alt) und Simon Amend (Bariton).

Außerdem wirken der im Kreis Göppingen und weit darüber hinaus bekannte Tenor Hubert Mayer mit sowie die Harfenistin Eva Bredl, die hier ebenfalls keine Unbekannte ist und schon mehrfach mit dem Göppinger Kammerchor musiziert hat. Instrumental unterstützt werden die Sänger und Sängerinnen vom "ensemble flessibile". Die musikalische Gesamtleitung hat Fabian Wöhrle. Karten können im Vorverkauf bei i-punkt Göppingen, der NWZ Geschäftsstelle und der Baronner’schen Apotheke in Bad Boll zum Preis von 16 Euro (Schüler und Studenten sind frei) zuzüglich 2 Euro Spende für die Aktion "Gute Taten" erworben werden.

Im Mittelpunkt des weihnachtlichen Konzerts steht das "Oratorio de Noël" von Camille Saint-Saëns. Er komponierte sein Weihnachtsoratorium für 5 Vokalsolisten, vierstimmigen gemischten Chor, Streichorchester, Harfe und Orgel im Jahr 1858. Wegen der kammermusikalischen Instrumentierung strahlt das gesamte Werk eine lyrisch–besinnliche Grundstimmung aus.

Das Oratorio de Noël stand immer schon in einem gewissen Spannungsverhältnis zu Johann Sebastian Bachs Weihnachtsoratorium. Saint-Saëns selbst nennt den ersten Satz "Prélude dans le style de Séb. Bach". Beide Komponisten stellen das selige Miteinander irdischer und himmlischer Musik dar. Aufsteigende und sich herab neigende melodische Gesten veranschaulichen, wie die Menschen dankbar gen Himmel blicken und die himmlischen Mächte sich der Lebenswirklichkeit zuwenden. Bach setzte dieses Doppelgeschehen musikalisch um, Saint-Saëns erkannte dies und hat es sich mit seinen eigenen kompositorischen Mitteln angeeignet.

In diese romantische Darstellung der Geburt Christi werden die Weihnachtspastorale "Béthléem" von Charles Gounod sowie "Dextera domini" und "Psalm 150" von César Franck eingefügt.

Charles Gounod veröffentlichte sein Werk zwischen 1882 und 1884 in drei Fassungen, die jeweils andere Begleitinstrumente ausweisen bzw. a-cappella musiziert werden. Einen besonders farbigen Reiz erhält dieser anmutige Weihnachtsgesang durch den kompositorischen Kunstgriff, nach wechselnden Vor- und Zwischenspielen immer wieder die unveränderte Strophengestalt aufzugreifen und sie fast überraschend am Schluss in eine bis zu achtstimmige Coda münden zu lassen.

Das Hauptgewicht der musikalischen Aussage von "Psalm 150" liegt bei dem dominierenden Instrumentalsatz des Symphonikers César Franck. Diese inspirierte Psalmvertonung nimmt in seinen einfach gehaltenen Singstimmen wohl Rücksicht auf die blinden Jugendlichen, die an der Uraufführung des Werkes beteiligt waren.

"Dextera Domini" entstand zwischen 1859 und 1863. Die ursprüngliche Chorfassung entstand für Sopran, Tenor und Bass. Da sich diese Stimmendisposition bei den heute herrschenden Chorverhältnissen – der Mangel an Männerstimmen ist sehr häufig festzustellen – nur schwer umsetzen lässt, wurde diese Komposition für vierstimmigen gemischten Chor bearbeitet. Packende Steigerungen, pathetische Höhepunkte und starke Kontraste bewirken unvergessliche Höreindrücke.

In der Probenphase konnte der Dirigent Fabian Wöhrle mit dem Göppinger Kammerchor viel Zeit darauf verwenden, einen einheitlichen Chorklang zu erarbeiten, in dem sich die einzelnen Stimmen zurücknehmen, sich anpassen, aufeinander eingehen und dadurch eine unglaubliche Homogenität und Leichtigkeit erzeugen können. Außerdem legte F. Wöhrle auch viel Wert darauf, die Klänge der französischen Romantik mit dem Chor zu erarbeiten und dadurch seiner idealen Klangvorstellung näher zu kommen und somit den Zuhörern ein unvergessliches Konzerterlebnis zu ermöglichen.

NWZ vom 27.06.2018: Sommernachtskonzert mit Liedern zur Liebe

Von Ulrich Kernen

Foto: Stauferpress

Die Mitglieder des Kammerchors boten ein Gesamtkunstwerk, in dem die Sinne angeregt wurde.

Hinter der Ankündigung des Göppinger Kammerchors unter der Leitung von Fabian Wöhrle "Das Hohelied der Liebe in Wort und Klang" verbarg sich kein gewöhnliches Konzert. Jenseits von jeglichem Kitsch und Klischee, fern von allem Schrillen, Deftigen und Vulgären, mit dem man sich beim Thema Liebe heute mehr und mehr abgefunden hat, spürten alle Mitwirkenden in der Göppinger Oberhofenkirche feinste Aspekte auf.

In diesem "Sommernachtskonzert" wurde das Geheimnisvolle, das Faszinierende lebendig. Da wurde nicht einfach ein Stück ans andere gereiht, sondern alles griff, dem Text des biblischen "Hohenliedes" folgend, ineinander. Schon die Sprecherin Sybille Schmid trug den Text Salomos emotional bewegt vor. Die Saxophonistin Anne Siebrasse verband in zahlreichen Zwischenspielen zart fantasierend die gesanglichen Beiträge: Nachklingen und Hinführen – ohne Worte!

Die Sopranistin Fanie Antonelou pendelte zwischen Werken des Barock und des 20. Jahrhunderts. In Arien von Monteverdi und Casati steigerte sie die emotionale Spannung durch ausladende Koloraturen und Triller. Grenzen des Gewohnten überschritt sie mit kraftvollen, natürlichen Jauchzern in "Désir" von Georges Aperghis. In "Kiss my lips, Misses" von Pascal Dusapin kommunizierte sie mittels Tontechnik sogar mit sich selbst, erotische Geräusche nachahmend.

Ein weiterer Mosaikstein war dazwischen die witzige, provozierende, ernste und herrlich spleenige Rezitation des berühmten Dadaisten Kurt Schwitter "An Anna Blume": dieses Sprachspiel in der Nähe zum Kabarett beleuchtete das Thema Liebe von einer völlig unerwarteten Seite her. Und in dieses Feuerwerk hinein platzierte Frank Wöhrle fünf Chorwerke: zwei psalmodierende Stücke von Yahezkel Braun, die in kollektives Lachen mündeten; drei zarte Motetten von Ivan Moody, in denen Liebe mit Klängen und Düften des Frühlings verbunden wurden.

Im Sechsachteltakt wiegte sich der Chor dann genussvoll in "Ich hab mich verliebt!" von Paul Ben-Haim, das in einem schmerz- und lustvollen Schrei gipfelte. Auch Leonhard Lechners Motetten gingen ein ums andere Mal ins Tänzerische über und in Edvard Griegs "Wie bist du schön" spürte man das Herzklopfen der Verliebten.

So fügte sich alles zu einem Gesamtkunstwerk, in dem die Sinne angeregt wurden. Da war es nur folgerichtig, dass man sich dann noch vor der Kirche zu einem genussvollen Ausklang traf.

Quelle: NWZ - Ulrich Kernen - 27.06.2018

 
Letzte Aktualisierung am 18.11.2018 GK